Pfingstritt Bad Kötzting
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Pfingstritt Bad Kötzting

Am Pfingstmontag 2018 sah Bad Kötzting so aus, als hätte jemand den Bayerischen Wald auf Pferde gesetzt und losgeschickt. Kaltblüter mit blau-weißem Ohrenschmuck, Männer in Tracht, ein Priester mit Monstranz, und am Straßenrand Leute, die auf Holzstapeln stehen, weil die erste Reihe schon vergeben war.

Der Ritt geht auf ein Gelöbnis von 1412 zurück: Geleit für den Pfarrer nach Steinbühl, sieben Kilometer, und das Versprechen, das jedes Jahr zu wiederholen, falls alle heil zurückkommen. Sie kamen zurück. Seitdem kommen sie wieder. Schriftlich fassbar ist der Brauch erst viel später, die Pferde interessiert das nicht.

Vorne das Kreuz, hinten der Rest Bayerns

An der Spitze der Kreuzträger, dann Laternen, Fanfaren, der Geistliche, der Pfingstbräutigam. Dahinter neunhundert Gründe, warum man in dieser Gegend ein Pferd hat. Die Tiere sind festlicher angezogen als manches Publikum: Pompons, Herz-Brustblatt, gehäkelte Ohren. Die Burschen in den roten Westen sitzen darauf, als wäre das der normale Weg zur Arbeit.

Unterwegs ein Kind auf einem viel zu großen Pferd, eine Fotografin im Dirndl, die den Zug ablichtet, während der Zug sie ablichtet, und irgendwo ein Schild nach Arndorf. Zurück in der Stadt der Zwiebelturm, der Maibaum, Nepomuk am Wasser, und auf dem Platz das Tugendkränzchen: Gold- und Silberdraht aus Seligenthal, überreicht an einen ledigen, katholischen Kötztinger, den der Stadtpfarrer ernennt. Danach gibt es eine Pfingsthochzeit, die keine ist. Die Pferde sind da längst wieder Pferde. Bis zum nächsten Montag nach Pfingsten.