Reptilienzoo Burgweinting
Ein Zoo, den es nicht mehr gibt
Ich war im Oktober 2012 dort. Damals stand unter meinen Fotos noch der Satz: „Ein Besuch lohnt sich immer mal wieder.“
Heute ist das ein etwas merkwürdiger Satz.
Denn den Zoo gibt es nicht mehr.
Nach dem Tod des langjährigen Leiters Alexander Stromski wurde die Anlage am 30. März 2015 geschlossen. Geblieben sind Erinnerungen, ein paar Geschichten – und meine Fotos von einem Nachmittag, an dem die Tiere noch hinter ihren Scheiben saßen und darauf warteten, dass jemand vorbeikam.
Glas, Wärme und Geduld
In Burgweinting roch es nach Erde, feuchtem Holz und Terrarium. Hinter den Scheiben bewegte sich meistens erstaunlich wenig.
Mambas, Königsnattern, Pythons und Klapperschlangen lagen da, als hätten sie ihren Nachmittag längst geplant. Eine Geierschildkröte sah aus, als stamme sie direkt aus einem anderen Erdzeitalter. Die Tejus erinnerten an kleine Dinosaurier, die sich inzwischen mit der modernen Welt arrangiert hatten.
Reptilien zu fotografieren bedeutet vor allem: warten.
Man wartet auf eine Bewegung, einen Blick, ein Züngeln. Und wenn nichts passiert, fotografiert man eben das, was trotzdem da ist: Schuppen, Krallen, Augen und Muster.
Eigentlich ist das gar keine schlechte Schule für einen Fotografen.
Otto
Der eigentliche Star des Zoos war für mich allerdings Otto.
Otto war ein grüner Leguan. Und Otto war etwas Besonderes: Er war zahm und ließ sich sogar streicheln. Bei einer Mamba hätte ich von einem solchen Versuch eher abgeraten.
Otto hatte jedenfalls keine Probleme mit Besuchern und offenbar auch nichts gegen Fotografen. Er saß da, ließ sich betrachten und machte genau das, was Leguane offenbar besonders gut können: sehr lange sehr unbewegt aussehen.
Für ein Foto ist das allerdings gar nicht schlecht.
Und weil Otto sich tatsächlich bewegte, entstand sogar ein kleines GIF. Damals eine hübsche Spielerei – heute beinahe ein kleines Zeitdokument aus einem Zoo, den es nicht mehr gibt.
Nachher
Ein kleiner Zoo in Burgweinting. Rund siebzig Terrarien. Ein Verein, viele Tiere und Menschen, die sich darum kümmerten.
Dann kamen die Probleme: bauliche Fragen, Geld, Personal. Und irgendwann blieb die Tür geschlossen.
Wer den Reptilienzoo noch kannte, erinnert sich vielleicht an die Wärme hinter den Glasscheiben, an das gedämpfte Licht und an diese eigentümliche Mischung aus Faszination und leichtem Unbehagen, wenn man vor einer Schlange stand.
Wer ihn erst heute entdeckt, kann nur noch Bilder davon sehen.
Meine stammen aus dem Oktober 2012.
Und deshalb lohnt sich der Besuch tatsächlich immer mal wieder.
Nur eben heute auf der Festplatte.
Eine Echse wartet. Im Reptilienzoo war Warten offenbar eine ziemlich erfolgreiche Lebensstrategie.
Ein Gesicht wie aus einem anderen Erdzeitalter. Und irgendwie sieht sie aus, als hätte sie den Fotografen schon längst durchschaut.
Giftig, grün und erstaunlich elegant. Die Mamba braucht kein spektakuläres Verhalten – sie wirkt auch so.
Auffällige Zeichnung, kräftige Farben und völlig ungefährlich für Menschen. Zumindest diese Schlange.
Ein Python im Terrarium: wenig Bewegung, viel Muster und ein Fotograf, der geduldig sein muss.
Nah genug, um die Schuppen zu zählen. Weit genug, um nicht persönlich begrüßt zu werden.
Die Klapper bleibt unsichtbar. Der Blick macht trotzdem klar, dass man besser weiß, wo die Glasscheibe ist.
Ein argentinischer Teju – kräftig, gemustert und mit einem Maul, das gerade ziemlich deutlich etwas zu sagen hat.
Die Bartagame sieht gefährlicher aus, als sie ist. Dafür ist sie ausgesprochen fotogen.
