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Zinngießerei ASN

Nabburg 2019: eine stillgelegte Hoflieferanten-Werkstatt, Pinsel noch in den Näpfen.

Zinngießerei ASN
Nabburg

Ein Bekannter hatte den Schlüssel. Die Zinngießerei Anton Schreiner in Nabburg, Marke ASN, über zweihundert Jahre alt, königlicher Hoflieferant – und zu. Billigware aus Fernost und der Geschmack seit den Siebzigern hatten den Rest erledigt. Übrig waren Werkstätten, Lager und eine Keramikmalerei, in der die Pinsel noch in den Näpfen standen.

In der Gussform für einen Teller hockt Boris Becker, 1986, Backhand, als wäre Wimbledon nur eine Kokille entfernt. Das Tennis-Idol der Achtziger als Zinnrelief. Der Betrieb ist tot. Die Form nicht.

Werkstatt und Lager

Am Fenster die Drehbank, grün, mit Spänen. Daneben der Arbeitsplatz: Feilen, Lötkolben, Gasflasche, zwei abgesessene Stühle. An der Wand ein Schild mit Kreuz. Draußen Hügel und rote Dächer.

Im Modellager stapeln sich hölzerne Scheiben in grauen Kisten. Im Formenlager gusseiserne Kokillen mit Papierfähnchen, Nummer 126, 127. Wer hier sucht, braucht die Leiter.

Noch Farbe in den Näpfen

Die Keramikwerkstatt riecht nach Pigment. Unglasierte Kannen, ein Rollbrett, ein rotes Tablett voll Farbnäpfe, auf einem Becher das Signet ASN. Bis 2009 wurde hier noch bemalt. Die Uhr an der Wand geht. Der Heilige darunter auch.

Zinn wird in einem Guss gegossen. Unterbrechen darf man nicht, sonst wird das Stück nichts. Die Redensart kennt man. Den Betrieb nicht mehr.